• Jolanda Rose

"Man kann Fehler machen, solange man jeden Fehler nur ein Mal begeht."


#throwbackthursday #eventrückblick #softwareentwicklung #projektmanagement

Mit diesem Satz lässt sich das Konzept gut zusammenfassen, das uns Kira Weiler und David Toborek von der Metronom GmbH letzte Woche bei einem Workshop zum Software-Projektmanagment näher gebracht haben. Dieser Workshop war einer von vielen Praxisworkshops, an denen ich zur Vorbereitung des Legal Tech Teams der Consumer Law Clinic der HU Berlin teilnehmen durfte.


Metronom GmbH zu Besuch im Legal Tech Projekt der Consumer Law Clinic (HCLC)


Die wenigsten Juristen haben viel mit Software und Projektmanagement am Hut. Jedoch werden diese beiden Bereiche in den nächsten Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen. Kanzleien werden neue Techniken und Software in ihren Arbeitsablauf implementieren, um den neuen Anforderungen auf dem Rechtsdienstleistungsmarkt gerecht zu werden. In Zukunft wird es nicht mehr ausreichen, nur ein Team im Back-Office zu haben, das sich "mit dem ganzen Technikkram auskennt". Juristen werden vermehrt selbst Software anwenden. Um auf diese Entwicklungen vorbereitet zu sein, lohnt es sich, sich mit der Systematik hinter den Programmen zu beschäftigen und neue Arbeitsweisen zu entwickeln.


Um uns einen Einblick in genau diese zu gewähren, waren letzte Woche Kira Weiler und David Toborek bei uns. David ist Head of Talent bei der Metronom GmbH und hat dort den Kulturwandel vom klassisch strukturierten Softwareunternehmen zum "Agile Management" hin begleitet. Die Metronom GmbH ist Teil der Metro AG und beschäftigt mehr als 2000 Mitarbeiter. Seit einem Jahr hat Kira, die Teil der Rechtsabteilung der METRO AG ist, ihr eigenes Büro gegen das Großraumbüro der METRONOM AG getauscht und berät das Team in IT-rechtlichen Fragen.


IT-Recht - Womit beschäftigt man sich da überhaupt?


Nach der Begrüßung hat uns Kira in die wichtigsten Themen des IT Rechts eingeführt. Es war spannend zu erfahren, welche Probleme sie täglich lösen muss und wie wichtig strategisches Arbeiten für sie ist. Zu ihren Aufgaben gehört es hauptsächlich Verträge mit Softwarefirmen zu verhandeln und sicherzustellen, dass die Softwareentwicklungen der Metronom GmbH den geltenden Gesetzen entsprechen.

Innerhalb der IT-Verträge sind die Nutzungsrechteklauseln ein typisches Problem. Hinter den verschiedenen Vertragstypen, wie Softwarekauf, Softwaremiete (SaaS) und Softwareentwicklung, stecken jedoch erstaunlicherweise keine komplexen Gesetzeskonstrukte, sondern in den meisten Fällen die Regeln aus dem allgemeinen und besonderen Teil des BGB. "Meine Referendare sind immer ganz erstaunt, wie viel sie beitragen können, auch wenn sie vorher nicht viel mit IT-Recht zu tun hatten", merkte Kira an. Natürlich müsse man sich in die Abläufe des Unternehmens und den Fachjargon der Entwickler einarbeiten, die rechtlichen Probleme seien hingegen weniger spezifisch, als von vielen angenommen. Das hat vor allem damit zu tun, dass es bisher im deutschen Recht kein "IT-Gesetzbuch" gibt, sondern Gesetze u.a. aus dem Kauf-, Miet-, und Urheberrecht Anwendung finden.

Wichtig für ihre Arbeit bei Vertragsverhandlungen ist vor allem die richtige Strategie. Wer in diesem Bereich arbeiten möchte, tut daher gut daran Verhandlungsworkshops zu besuchen und sich in den richtigen Methoden zu schulen. Zu den Tricks, die Kira uns verraten hat, zählt unter anderem die Auswahl der Vertragstemplates. Vertragstemplates sind die Vertragsvorlagen, die jedes Unternehmen für sich vorbereitet hat. Man hat immer einen Vorteil, wenn man die eigenen Vertragstemplates dem gemeinsamen Vertrag zu Grunde legt, weil man am Ende oft über viele einzelne Worte diskutieren wird. Neue Worte einzubringen ist dabei schwieriger, als die Formulierung beizubehalten. Ein anderer taktischer Tipp war, den Vertrag möglichst auf deutsches Recht zu beziehen. Das AGB-Recht ist in Deutschland wesentlich ausführlicher und bietet größeren Schutz als in anderen Ländern, weshalb unwirksame Klauseln erst gar nicht verhandelt werden müssen. Zu den wichtigsten IT-rechtlichen Themen gehört aktuell die Nutzung von Open Source. Open Source ist online frei verfügbarer Software Code, der von vielen Entwicklern genutzt wird. Jeder darf den Code kostenfrei nutzen, muss im Gegenzug aber den weiterentwickelten Code wieder der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Daraus ergeben sich jedoch spezifische Lizenzbedingungen, die rechtlich oft aufwändig zu handhaben sind.


Agile Methoden im Software-Projektmanagement


Im zweiten Teil des Workshops hat uns David die Prinzipien des "Agile Managements" erklärt. Bevor die IT-Abteilung der METRO AG zur Metronom GmbH wurde, waren die Teams zur Softwareentwicklung noch klassisch strukturiert. Innerhalb der letzten Jahre wurde jedoch ein Wechsel vom "Wassermodell" zum "Agile Management" vollzogen.

Nach dem traditionellen Wassermodell plant man die Entwicklung eines Produkts bzw. im Fall der Metronom GmbH von Software, von der Idee bis zum finalen Softwaretest durch. Zu Beginn werden Fristen, Zuständigkeiten und das Budget festgelegt. Gemäß der agilen Methode geht man in kleineren Schritten vor. Es wird eine Idee entwickelt und ein Budget festgelegt. Darauf folgen abwechselnd Entwicklungs- und Testphasen, die zeigen sollen, ob und wie das Team die Idee in die Praxis umsetzen konnte, oder ob man lieber in eine andere Richtung gehen sollte. Zwar scheint die "Wasserfallmethode" auf den ersten Blick strukturierter, "wer jedoch Agile Management als Ausrede dafür nutzt, unstrukturiert zu arbeiten, hat den Sinn der Methode nicht erkannt" betonte David. Ihm zufolge müsse ein Agile Manager besonders intensiv Planen und dem Team die Richtung weisen.

Durch die regelmäßigen Testphasen gibt es die Möglichkeit schon früh Fehler zu erkennen und aus diesen zu lernen. Das zeigt den entscheidenden Vorteil der agilen Methode gegenüber der "Wasserfallmethode". In den klassisch gemanagten Projekten werden oft erst am Ende der Entwicklungsphase Fehler erkannt. Dann ist meistens schon viel Zeit vergangen und das Budget ausgeschöpft.

Außerdem fördert diese "Du darfst Fehler machen" Mentalität die Kreativität der Teammitglieder. Wer immer in die selbe Richtung denkt und entwickelt, macht vielleicht weniger Fehler, entwickelt letztendlich jedoch wenig innovative Produkte.

Zum Abschluss des Workshops hat David noch das "Agile Manifest" (https://agilemanifesto.org/iso/de/manifesto.html) vorgestellt. Dieses Manifest fasst die Mentalität und die Prinzipien des Agilen Arbeitens in der Softwareentwicklung zusammen.


Agiles Manifest - eine Arbeitsmethode für Juristen?


Es ist einer Überlegung wert, wie auch Juristen sich der agilen Methodik bedienen könnten. Natürlich sind die Prozesse in der Softwareentwicklung und im Kanzleialltag sehr unterschiedlich, am Ende muss jedoch in beiden Branchen ein marktfähiges Produkt bzw. eine gute Verteidigungsstrategie, ein durchdachter Vertrag oder ein Vergleich zwischen zerstrittenen Parteien herauskommen. Sicherlich wird es auch für Juristen immer wichtiger die individuellen Wünsche der Mandanten in den Mittelpunkt der Arbeit zu stellen, anstatt die üblichen, veralteten Abläufe beizubehalten.

Ein Agiles Manifesto von Anwälten könnte daher lauten:


Wir erschließen bessere Wege, Mandanten zu vertreten, indem wir es selbst tun und anderen dabei helfen. Durch diese Tätigkeit haben wir diese Werte zu schätzen gelernt:

Individuen und Interaktionen mehr als veraltete Prozesse Unterstützung durch Software mehr als handschriftliche Dokumentation Zusammenarbeit mit dem Mandanten mehr als Vertragsverhandlung Reagieren auf Veränderung mehr als das Bestehen auf Traditionen.

Das heißt, obwohl wir die Werte auf der rechten Seite wichtig finden, schätzen wir die Werte auf der linken Seite höher ein.

Was haltet ihr von einem agilen Manifest für Juristen? Wie könnten agile Arbeitsmethoden im Kanzleialltag angewendet werden? Schreibt eure Meinung dazu gerne in die Kommentare.


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