• Jolanda Rose

"Wir haben zwei Kunden, sowohl den Anwalt, als auch den Mandanten."

Aktualisiert: 14. Apr 2019


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Alcyone Legal betreibt derzeit Verbraucherplattformen und Technologieplattformen. Zum Unternehmensportfolio gehören u.a. Rechtsanwalt24.de, kitaplatzklage.com und advoleads. In einem Kurzinterview geben die Gründer von Alcyone Legal, Robert Nachama und Daria Schilling, Einblicke in ihrem Unternehmensalltag. Außerdem verraten sie zehn Tipps für die Gründung eines erfolgreichen Legal-Tech-Unternehmens.


5 Fragen an die Gründer


Jolanda: Wie würdet ihr eure Tätigkeit in zwei Sätzen beschreiben?

Robert: Als Anwalt berate ich Mandanten bei vielfältigen Finanzierungsfragen. Als Unternehmer befasse ich mich mit der Digitalisierung von Rechtsdienstleistungen.

Daria: Als Geschäftsführerin von Alcyone Legal kümmere ich mich um den operativen Alltag des Unternehmens. Dazu gehören so spannende Dinge wie das Projektmanagement, aber auch so grundlegende Tätigkeiten wie die Buchhaltung.


Jolanda: Wie seid ihr zum Thema Legal Tech gekommen?

Daria: Über Robert – ich bin da reingerutscht. Nach meinem Studium habe ich in Berlin in einer Start Up Community – der Factory Berlin –  gearbeitet und da hat mich dann auch das Gründungsfieber gepackt. Ich denke, mit dem notwendigen Willen und Engagement kann man sich jeder Herausforderung stellen. Auch wenn der Bereich „Legal“ nicht zu meiner eigentlichen Expertise gehört. Was bei dem Ganzen geholfen hat: Das Thema „Digitalisierung“ war schon immer ein Lieblingsthema, auch bei meiner Abschlussarbeit im Architekturstudium.

Robert: Obwohl viele Unternehmen versuchen das zu ändern, ist heutzutage guter Rechtsrat immer noch teuer, langsam und meist offline. Als Mandant frage ich mich: Wer kann die verschiedenen Rechtsfragen, die sich im Laufe meines Leben stellen, z.B. die Kündigung meiner Wohnung oder der defekte Gebrauchtwagen, schnell und zuverlässig lösen. Gleichzeitig darf das nicht auf Kosten der Anwaltschaft gehen und Digitalisierung darf nicht auf Einzelfragen beschränkt bleiben. Es kann nicht sein, dass Legal Tech sich lediglich mit Flugverspätungen und Knöllchen befasst. Das wäre zu kurz und genau dort setzen wir mit einer umfassenden Lösung an.


Jolanda: Wie funktioniert das Geschäftsmodell von Alcyone Legal?

Robert: Wir haben zwei Kunden, sowohl den Anwalt als auch den Mandanten. Beide haben unterschiedliche Sorgen und Wünsche. Dem Mandanten bieten wir z.B. über Rechtsanwalt24.de oder Kitaplatzklage.com die Möglichkeit, sein Anliegen in kürzester Zeit von einer Expertin oder einem Experten analysieren und strategisch aufbereiten zu lassen. Das Ganze ist kostenlos und online und somit ohne Risiko – vom Leistungsumfang her aber deutlich besser als was es sonst im Markt gibt. Für unsere Kooperationsanwälte hingegen entwickeln wir eine Legal Intelligence, die die eingereichten Fälle im Vorfeld automatisch analysiert und auf der Grundlage eine passende Beratungsmail vorschlägt. Nur auf diese Weise können wir unseren Service den Mandanten so hochwertig und dennoch kostenlos anbieten.

Daria: Unser System ist simpel – wir lösen zwei Probleme auf einmal. Der Mandant erhält eine Einschätzung seiner rechtlichen Situation. Der Anwalt erhält Mandate ohne sich selbst um Marketing oder Technologie kümmern zu müssen. Unsere Kooperationsanwälte gliedern sich in eine bestehende Anwaltsgesellschaft ein und können sich somit voll auf das Mandat konzentrieren. Büro, Buchhaltung, Angestellte, Mahnwesen, Werbung usw. werden somit komplett ausgelagert, die damit verbunden Kosten gespart. Auch Terminsvertreter vor Ort können jederzeit organisiert werden. Im Prinzip kann die Anwältin oder der Anwalt auch vom Strand in Tel Aviv aus arbeiten. Ist aber kein Muss.


Jolanda: Wie lassen sich der Job als Anwalt und Legal-Tech-Unternehmer verbinden?

Robert: Indem man wenig schläft - Spaß beiseite. Meine beiden Tätigkeiten haben keine Berührungspunkte. Ich gebe Daria und unseren Projektmanagern strategische Hinweise, halte auch den Kontakt zu unserem Netzwerk, habe jedoch derzeit keine operative Funktion im Unternehmen.


Jolanda: Was kann man von der englischen Legal-Tech-Szene lernen?

Robert: Einiges, zunächst einmal würde ich mich freuen, wenn die Legal-Tech-Szene hierzulande etwas bunter werden würde. Es sind gefühlt immer dieselben Leute und Projekte von denen man hört. Von daher ist es absolut zu begrüßen, dass inzwischen viele junge Studierende und Absolventen sich mit dem Thema befassen. Das ist eine großartige Entwicklung. Gerade für aufstrebende Unternehmer und allgemein Legal-Tech-Begeisterte brauchen wir aber auch mehr Finanzierungsmöglichkeiten und risikofreudige Business Angels. Tolle Ideen sollen nicht nur Bestandteil von Hackathons sein, sondern möglichst global die Digitalisierung der Rechtsbranche mitgestalten und effektiv aus Deutschland um Marktanteile kämpfen können. Da ist die angloamerikanische Szene leider weiter – das muss aber nicht so bleiben.



10 Tipps der Gründer


#1 Seid mutig. Ihr schlagt einen gutbezahlten, sicheren Job in einer Kanzlei, im Unternehmen oder beim Staat aus. Eure Freunde und Eltern halten euch für wahnsinnig. Wer den Sprung in die Selbstständigkeit versucht, braucht von Anfang an, aber auch währenddessen, viel Mut – gerade wegen der vielen Rückschläge, die unvermeidlich sind.


#2 Achtet auf eure Gesundheit. Wer viel arbeitet und viele Risiken eingeht, der hat auch viel Stress. Sich gesund, d.h. möglichst pflanzlich zu ernähren und in sinnvollem Maß Sport zu treiben ist sehr wichtig – auch für die eigene Psyche. Ein gesunder Körper ist die Grundlage für eure Erfolgsgeschichte. Nicht selten kommen einem auf dem Laufband die besten Ideen.


#3 Baut euer Netzwerk aus. Das erhöht die eigene Sichtbarkeit, hat aber auch sonst handfeste Vorteile. Unsere Unterstützer geben uns wichtige Hinweise zu unserem Produkt, teilen ihre Überlegungen zum aktuellen Marktgeschehen mit und stellen uns potentiellen Investoren und Kooperationspartnern vor. Die besten Synergien entstehen durch Kontakte – und auch der „glückliche Zufall“ lässt sich so forcieren.


#4 Denkt früh an Finanzierung. Ein MVP, also ein Minimum Viable Product, kann man eventuell noch mit Bordmitteln aus dem Boden stampfen. Doch für die weitere Entwicklung, insbesondere das Testen, sowie für den Vertrieb, das Marketing usw. benötigt man weitere Mittel. Ist eurer Produkt sofort profitabel, kann es sich eventuell selbst tragen. Ansonsten müsst ihr jedoch an eine externe Finanzierung denken.


#5 Sei klug, pragmatisch und geduldig. Die Start-Up-Szene lebt auch von viel Hype und Euphorie. Nicht selten sind diese Gefühle der Anlass für die eigene Gründung. Doch gesundes Unternehmertum ist keine bipolare Angelegenheit, und eine Erfolgsgeschichte gleicht eher einem Marathon als einem Sprint. Von daher sind Ruhe und Besonnenheit ein ganz wichtiger Baustein.


#6 Think big, but keep it real. Es macht Spaß am großen Wurf zu arbeiten, ein spannendes Produkt auf den Markt zu bringen und möglichst einen beträchtlichen Zielmarkt zu adressieren. Zugleich liegt der Teufel im Detail. Jeden Tag muss eine Fülle an Herausforderungen bewältigt werden. Es gilt also, den Alltag zu meistern und dabei das große Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.


#7 Der Kunde ist König. Meist hat ein Gründer erst mal das eigene Produkt im Blick. Doch es geht es darum, ganz bestimmte Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Diese kennt der Kunde oft selbst nicht, daher solltet ihr seine Reaktion auf Eurer Produkt ständig analysieren und so das Produkt weiterentwickeln. Zudem sollte jeder Kunde bei euch das Gefühl haben im Mittelpunkt zu stehen – geht also auch auf negatives Feedback ein und gewinnt verlorenes Vertrauen aktiv zurück.


#8 Baut eine starke Marke. Der Kunde soll mit eurer Marke ein bestimmtes Gefühl verknüpfen. Mit Rechtsanwalt24.de wollen wir z.B. Seriosität und Bodenständigkeit ausstrahlen und so Vertrauen schaffen – das vermitteln der Name, die Webseite und der Kundenservice. Wir wollen klarmachen: Digitalisierung ist zwar neu, aber Rechtsberatung bleibt eine förmliche und ernste Angelegenheit. Auch wenn alles einfacher und besser wird.


#9 Baut ein kompetentes Team. Versucht bereits im Gründer-Team so viele Kompetenzen wie möglich abzubilden. Das ist überzeugend für Investoren und spart bares Geld, da diese Fähigkeiten nicht erst eingekauft werden müssen. Auch die ersten Einstellungen sollten wohlüberlegt sein: Hire slow, fire fast – soweit das im Rahmen des deutschen Arbeitsrechts möglich ist.


#10 Show, don’t tell. Erzählt nicht nur, dass ihr kostengünstig neue Kunden gewinnen könnt, sondern zeigt die erste Traction eures Products. Im Pitch Deck schreibt ihr nicht nur, dass euer Designer gut ist, sondern fügt gleich ein paar Screenshots von vergangenen Projekten ein. Zudem: Baut ein MVP, setzt Empfehlungsmarketing ein und sammelt Reviews. Es ist immer besser, etwas zu zeigen als nur darüber zu reden.

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