• Jolanda Rose

Swiss Legal Tech 2019 - das Ende einer Ära und der Beginn von etwas ganz Großem

Aktualisiert: Aug 22


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Zum letzten Mal mit ihr an der Spitze, veranstaltete Petra Arends-Paltzer Anfang September die dritte Swiss Legal Tech Konferenz in Zürich. Das Programm wurde dem eigens gesetzten Anspruch als Trendsetter mehr als gerecht. Inspirierende Workshops, Vorträge über Legal Tech und Prop Tech sowie interaktive Diskussionen in einer atemberaubenden Atmosphäre ließen beim Besucher keine Wünsche offen. 


Workshops 


Schon am ersten Tag der Swiss Legal Tech wurde viel geboten. Von neuen Tools, die Anwälte in ihrer täglichen Arbeit unterstützen, über schlanke Wege zum neuen Geschäftsmodell in Kanzleien jeder Größe bis zu Knowledge Management, konnte man einen Querschnitt der Produkte und Ideen kennenlernen, die die Entwicklungen auf dem deutschsprachigen Rechtsmarkt mitbestimmen. 


Die Anwendung von essentiellen digitalen Tools kann vor allem für das Knowledge Management in Kanzleien und Rechtsabteilungen von Bedeutung sein. Simon Ahammer, Partner bei Jöchle und Ahammer, und Stefan Beßling, Managing Partner der reThinkLegal GmbH, sprachen über Veränderungspotenzial im Rechtsmarkt und gaben konkrete Tipps für das Etablieren von Knowledge Management.

Heutzutage ist Wissen oft noch das größte Kapitel von Kanzleien und Rechtsabteilungen. Deshalb sollte man sich immer darum bemühen, dieses in der Firma zu halten, auch wenn z.B. ein Partner die Kanzlei verlässt. Da Play Books, wie sie in den anglo-amerikanischen Staaten üblich sind, im DACH-Raum oft nicht geschrieben werden, verschwindet dieses Wissen oft mit jeder Person, die geht. Dem kann der Einsatz moderner Legal-Tech-Programme vorbeugen. Bisher werden dafür oft nur Insellösungen angeboten. In Zukunft wird der Schwerpunkt jedoch mehr auf Prozessen und Workflows liegen, als darauf einzelne Teilprozesse zu automatisieren. Deshalb ist es wichtig als Kanzlei oder Rechtsabteilung nur in offene Systeme zu investieren, die Schnittstellen zu anderen Programmen zulassen.

Wichtig ist es dabei, sich zu allererst einen Überblick über die bestehenden Datenbanken der Kanzlei zu verschaffen. Denn oft liegen in diesen Datensammlungen unwerwartete Schätze, die man für die Anwendung von Tools nutzen kann. Außerdem empfehlen die Experten klein anzufangen und Digitalisierungsprojekte niemals alleine durchziehen zu wollen. Diese Prozesse müssen von allen in der Kanzlei oder Rechtsabteilung mitgetragen werden. Dafür muss man im Zweifel viel Überzeugungsarbeit leisten und die Vergütungsmodelle überdenken, um die Mitarbeiter zu halten.


Besonders beeindruckend war außerdem der Workshop von Dr. Franziska Lietz. Sie ist Geschäftsführerin der RCG GmbH und betreut dort die Entwicklung von Legal Tech Tools für die dazugehörige Kanzlei Ritter Gent Kollegen. Der Gründer der mittelständischen Kanzlei mit 16 Anwälten hat schon früh erkannt, dass eine gute Idee im richtigen Umfeld ausreicht, um ein Legal Tech Tool zu vertreiben. In seinem Fall hat alles mit einer Excel Tabelle über die Regelungen in der Energiewirtschaft begonnen. Heute ist die RCG schon viel weiter und bietet mit dem Konformitätscheck eine Art energierechtliches Compliance Tool für Ihre Mandanten an. Möglich war das trotz kleinem Budgets durch die frühe Einstellung eines In-house-Entwicklers und die Einbindung des gesamten Teams von Anfang an. 


Darüber hinaus stellte Christopher Diesing, Mitgründer und COO der Stackfield GmbH, die Vorzüge der Software gegenüber gängigen Kommunikationsformen innerhalb der Kanzlei und mit dem Mandanten dar. Die Software verbindet einen Messaging-Dienst mit Funktionen einer Planungssoftware. So können Projekte geplant, Akten organisiert und alle wichtigen Fragen untereinander und mit dem Mandanten über das Programm abgewickelt werden. 

Dabei ist der größte Vorteil von Stackfield die End-to-End-Verschlüsselung aller Inhalte. So ist sie viel sicherer als die gängigen Messaging-Dienste. Außerdem bietet die Software Schnittstellen zu allen gängigen Dokumenten Management Systemen, sodass sie einfach in den Arbeitsfluss in der Kanzlei oder Rechtsabteilung integriert werden kann. 


In weiteren Workshops wurden die Tools Contract Mill, LeReTo und digitalCounsels vorgestellt. Außerdem stellten Epona, Uthority und Legartis ihre Geschäftsmodelle vor.


Konferenz 


Am zweiten Tag der Swiss Legal Tech ging es inspirierend weiter. Neben einer Bestandsaufnahme der akutellen Lage von Legal Tech in Vorträgen und Diskussion, sowie Einführung in PropTech wurde besonders die Kollaboration, oder sog. Coopetition in der Rechtsbranche in den Fokus gerückt. Franziska Lehner führte mit Charme und anregenden Fragen an die Referenten durch das Programm.


The State of Legal Tech 2019 - eine Bestandsaufnahme

Nach der Eröffnung sprach Markus Hartung, Gründer und Senior Fellow des Bucerius Center on the Legal Profession, über den aktuellen Stand von Legal Tech. 

Zu Beginn seiner Präsentation stellte er die Frage in den Raum, an welchem Punkt der Entwicklung sich Legal Tech im DACH-Raum gerade befinde. Im Laufe des Vortrags wurde klar, dass man diese Frage nicht einheitlich für alle Bereiche beantworten kann. So sei man im B2C-Bereich, wo es vor allem um automatisierte Rechtsdienstleistung geht, schon weiter als im B2B-Bereich. Dort ist vor allem auch deshalb noch viel zu tun, weil es um Sachverhaltserfassung und die Vereinfachung von Dokumentenverarbeitung geht. Für die Entwicklung eines erfolgreichen Produktes ist der Rechtsmarkt jedoch zu klein. Um sich in dem Bereich zu etablieren, müssen industrieünergteifende Lösungen entwickelt werden. Nur wer diese Softwarelösungen entwickelt und sichtbar macht, hat eine Chance bei Investoren. Die Sichtbarkeit spielt dabei eine wichtige Rolle, denn bisher fehlt oft eine konsistente  Vertriebsstrategie für Legal Tech Produkte. In dem Bereich gilt jedoch wie überall, dass man nur das verwendet, was man immer vor Augen hat. Eine Art App Store für Legal Tech wäre deshalb ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, erklärte der Legal-Tech-Pionier.


Die verschiedenen Arten der ASLP

Einer, dessen Vettriebsstrategie augenscheinlich funktioniert und von dem man sicherlich viel über erfolgreiche Geschäftsmodelle lernen kann, ist Daniel Halmer, Gründer und COO von LexFox. Er sprach bei der Siwss Legal Tech über den Aufbau des Unternehmens, skalierbare Rechtsdurchsetzung und geplante Projekte für die Zukunft.

Verbraucherrechte sind ein relativ junges Phänomen. Erst seit etwa 30 Jahren sind sie in der deutschen Rechtsordnung fest etabliert. Dennoch gibt es ein großes Defizit bei der Rechtsdurchsetzung. Grund dafür ist vor allem das große finanzielle Risiko für den Verbraucher bei der Durchsetzung des Anspruchs. Einem 50 Euro Anspruch steht auf klassischem Wege ungefähr ein Risiko von 800 Euro gegenüber. Wenn ein großer Teil der Rechte nicht durchgesetzt wird und beide Marktseiten nicht mehr an den Rechtsstaat glauben, droht eine Erosion des Rechtsstaates, warnte Halmer. Deshalb hätte sich die Durchsetzung von Mieterrechten bei wenigermiete.de als Einstieg angeboten. In diesem Bereich hat der Gesetzgeber dem Verbraucher auf dem Papier viele Rechte eingeräumt, die aber wegen dem fehlenden Glauben daran in der Praxis fast nie durchgesetzt werden. Bei LexFox geht es deshalb primär nicht darum ein findiges Geschäftsmodell zu schaffen, sondern wieder ein rechtliches Gleichgewicht herzustellen. Dieser Prozess wird auch Legal Fracking genannt. Neue Rechtsbereiche werden erschlossen und die Rechte derer innovativ durchgesetzt, die vorher keinen Zugang zum Recht hatten. LexFox zeigt einmal mehr, dass Legal Tech nicht das Ende des Anwaltsberufes ist, sondern eine große Chance für die Demokratie, den Rechtsstaat und die Branche bietet. 


Auch Sabrina Keese-Haufs hat denen Zugang zum Recht verschafft, die sich diesen sonst nicht hätten leisten können und so mit Social Media tausende Kunden akquiriert. Ihren Weg und ihre Learnings hat die IT-Juristin mit dem Publikum geteilt.

Für sie ist der Prozess der Unternehmensgründung vergleichbar mit einer Wanderung. Sie selbst hat nach dem Jurastudium in großen Unternehmensberatungen ihr Handwerk gelernt und später die dort erworbene Fähigkeit ganzheitlich zu denken, für ihr eigenes Unternehmen genutzt. Aus dem Nichts hat sie über Jahre eine große Facebook Community aufgebaut. Was mit einfachen Live-Videos zu E-Commerce-Themen für kleine Digitalunternehmer begonnen hat, ist zu der vielen tausend Mitglieder umfassenden Gruppe Lawlikes und der gleichnamigen Website mit verschieden Online-Produkten geworden.

Zu Beginn Ihres Wegs hat sie viel Gegenwind für ihren gewählten Vertriebsweg auf Facebook bekommen. Heute weiß sie, dass die Ideen immer am besten waren, wenn sie so unkonventionell waren, dass sie extrem viel Gegenwind erzeugt haben. Allen, die auch etwas aufbauen wollen, rät sie einfach anzufangen. Ihrer Meinung nach kann auf Social Media alles funktionieren, sobald man sich darauf einlässt, dass es dort anders läuft, als in einem DAX-Unternehmen. 


Einen neuartigen Ansatz, welcher "digital" und "analog" verbindet, verfolgt dagegen die Coop Rechtsschutz AG mit ihrer Tochtergesellschaft YLEX. Dort wird KI gestützte Rechtsberatung mit klassischen Walk-In-Stores verknüpft. Ioannis Martinis, Head of Legal Tech bei der Coop Rechtsschutz AG, hat schon viele Legal-Tech-Projekte geleitet. Diese ruhen jedoch zur Zeit wegen des Launchs von YLEX. Nach der Eröffnung des ersten YLEX Stores in Bern folgen weitere in ausgewählten Schweizer Städten. Bei YLEX kann bald jeder mit oder ohne Termin persönliche Rechtsberatung in Anspruch nehmen. Optional auch telefonisch oder via Online-Plattform. Dabei wird die jahrelang aufgebaute Expertise von Coop Rechtsschutz in der Rechtsberatung genutzt, um den Kunden in allen aussergerichtlichen Streitigkeiten weiterzuhelfen. Moderne Technologie unterstützt dabei die Juristen, diesen unkomplizierten Ansatz auch erfolgreich umzusetzen. Wenn der Fall vor Gericht muss, wird eine externe Anwältin oder ein externen Anwalt empfohlen. Im Grundsatz geht es darum, die Hürde, sich bei rechtlichen Fragen Unterstützung zu holen, herunterzusetzen und die Durchsetzung der eigenen Rechte zu einem alltäglichem, vielleicht sogar zu einem erfreulichen Erlebnis zu machen.


Aber nicht nur im Verbraucherrecht, oder bei der Organisation der anwaltlichen Arbeit spielt Legal Tech eine immer größere Rolle. Auch Gerichtsverfahren werden von technischen Lösungen immer mehr begleitet. Deshalb haben sich Nadine Pfiffner und ihr Kollege von der Kanzlei Bär und Karrer die Frage nach der Verwertbarkeit der Resultate automatisch oder teilautmatisiert erzeugter Dokumente in Gerichtsverfahren gestellt. Wichtig ist dabei besonders nicht nur die Tools auf ihre Algorithmen und deren Sicherheit zu überprüfen, sondern auch die zu Grunde liegenden Datensets. So ist es z.B. mittlerweile bekannt, dass gerade juristische Entscheidungen der Vergangenheit viele diskriminierende Faktoren enthalten, die mit Hilfe solcher Tools unkontrolliert skaliert werden könnten. Inwieweit Ergebnisse von Legal-Tech-Tools in Gerichtsverfahren in Zukunft als Beweismittel verwendet werden und welche Software von den Gerichten selbst genutzt werden kann, wird daher noch kontrovers diskutiert.


Die Antwort der Anwälte: Coopetition - gemeinsam sind wir stark

Das Motto "Gemeinsam sind wir stärker" ist beim Legal Tech Hub Vienna nicht nur Marketing, sondern gelebte Realität. Im Hub haben sich mehrere große österreichische Kanzleien zusammengeschlossen, um gemeinsam an innovativen Lösungen in Zeiten der Veränderung zu arbeiten. Zwar hätte das auch jede Kanzlei für sich selbst machen können, aber die Ergebnisse hätten wahrscheinlich so lange auf sich warten lassen, bis der Technologie-Boom in der Rechtsbranche an ihnen vorbei gezogen wäre. Das Lab ist dabei nicht nur als Idea Lab und Start-Up-Inkubator, sondern auch als Vordenker für die Gesetzgebung tätig. So wird dieses Jahr ein White Paper zum Thema Cloud Computing der Gesetzgebung und Rechtsanwaltskammer in Österreich vorgelegt.

Besonders herausragend ist außerdem das StartUp und SME-Accelerator-Programm. Dort können sich jedes Jahr mehrere, junge Unternehmen bewerben um eine enge Betreuung und Förderung zu erhalten. Besonders hilfreich ist dabei, dass diese ein reales Testing Environment in Kanzleien zur Verfügung gestellt bekommen. Im letzten Durchgang der Förderung wurden schon erstaunliche Entwicklungen angestoßen. In Zukunft möchte das Legal Tech Hub deshalb auch über die österreichischen Grenzen hinaus wachsen und das Förderprogramm, sowie die kooperative Zusammenarbeit unter Kanzleien auf ganz Europa ausweiten.


Eine ähnliche Entwicklung hat auch das Programm der Hashtag Lawyers hinter sich. War es zu Beginn nur ein Ideen Lab der Anwaltskammer Paris, ist es heute zu einem Legal-Tech-Inkubator geworden, das StartUps bei der konkreten Umsetzung ihrer Ideen unterstützt. Auch dort werden StartUps vor allem im Bereich Business Development unterstützt. Mittlerweile haben sich dafür sieben verschiedene Kernthemen herausgebildet. Zu diesen gehören Economic forecasting, Identity foresight, Lab, European & International, Pricing, Communication und Justice & Law.

Besonders ist zudem, dass die Intitiative von der Rechtsantwaltskammer Paris ausgeht, anstatt mit ihr in Konkurrenz zu stehen, wie es in anderen Ländern der Fall ist. Nachdem weitere Standorte in Frankfreich ins Leben gerufen worden sind, möchte die Initiative in Zukunft auch europaweit bzw. weltweit operieren.

Zum Thema Coopetition berichtete als letzter Sprecher Stephan Schlicker, Managing Partner und Rechtsanwalt für IT und Digital Business bei SKW Schwarz, über die frühen Anfänge von Legal Tech und die Gründung der SKW Schwarz @ Tech GmbH.

Er selbst hat schon in den 90er Jahren die Innovationsmöglichkeiten auf dem Rechtsmarkt mit Hilfe des Internets und Technik erkannt. So gründete er schon damals Rechtpraktisch.de - eine Plattformlösung für die Online-Suche von Anwälten. Für ihn haben Recht und Technik schon immer zusammen gehört. Deshalb hat er vor einiger Zeit in München ein Meet Up zum Thema Legal Tech gegründet. Er ist sich sicher, dass offene Kommunikation, auch unter vermeintlichen Konkurrenten, wichtig ist. Denn insgesamt könne man viel bessere Lösungen erreichen, wenn alle zusammen arbeiten, als wenn jeder seine eigene Lösung entwickelt.

So ist auch die Idee zur Gründung der SKW @ Tech GmbH entstanden. Die auf Medienrecht, IT-Recht und Digital Budsiness spezialisierte Kanzlei ist keinsewegs durchweg jung und innovativ. Umso spannender war es gemeinsam mit allen Mitarbeitern - vom Office Manager bis zum Partner - an neuen Ideen, wie alternativen Pricing Modelle zu basteln. Gelegenheit dazu bieten auch Hackathons, die intern regelmäßig veranstaltet werden.

Die GmbH bietet außerdem Seminare und Schulungen innerhalb der Kanzlei, aber zunehmend auch für Mandanten an. Außerdem unterstützt sie beim Prozessmanagmement. Im Gegensatz zur Kanzlei kann die GmbH dabei gewerblich tätig werden. In Zukunft, so ist sich Schicker sicher, werden die Grenzen zwischen freiberuflicher und gewerblicher Arbeit verschwimmen und neue Regelungen gefunden werden müssen. Auch die Rechtsberatung wird nicht automatisch oder manuell, sondern mit einer Kombination beider Methoden abgewickelt werden. Sein Fazit und die Epmfehlung an das Publikum lautete deshalb - kleine Schritte machen, echte Probleme finden und Gewohnheiten ändern.


Prop Tech Wie PropTech die Immobilienbranche revolutioniert und welche Synergien sich daraus mit anderen Branchen ergeben, erläuterte Mario Facchinetti, Gründer von Swiss Prop Tech. Die Initiative hilft bei der Fiannzierung von StartUps, steht aber auch für die Verbindung von jungen Unternehmen mit etalbierten Playern und Recruitment zur Verfügung. In den zwei bis drei Jahren, in denen es die Initiative gibt, haben sich schon circa 40 Prop Tech StartUps gegründet und mischen den klassischen Immobilienmarkt auf.

Bei Prop Tech geht es jedoch nicht nur um klassische Immobilientransaktionen. Vielmehr bestehen im Real Estate Life Cycle auch viele Schnittmengen zu anderen innovativen Techmethoden, wie RegTech, ConTech, InsurTech, FinTech und LegalTech.

Wie viel Potential in solchen vermeintlich einfachen technischen Lösungen für ein neues Business Modell steckt, hat auch Wolfgang Müller, Partner und Head of Real Estate bei Meyerlustenberger Lachenal berichtet. Die Kanzlei hat Automatisierungspotenzial und ein neues Geschäftsfeld durch die Dokumentenerzeugnung bei Fusionen mit Hilfe eines Interviews zur Parteienabfrage erschlossen.

Er ist sich sicher, dass der Anwalt der Zukunft etwas anderes machen wird als jetzt und empfahl daher dem Publikum sich jetzt schon der Weiterbildung zu widmen.

PropTech im weitesten Sinne kann jedoch auch dem Verbraucher zu Gute kommen. Ein Beispiel dafür sind die digitalen Real Estate Funds, die Florian Glatz vorstellte. Er ist Blockchain Lawyer und Mitgründer der Fundament Group, deren Geschäftsmodell auf der Tokenisierung von Real Estate Funds basiert. Damit wird auch Klein- und Kleinstanlegern die Möglichkeit gegeben in Bereiche zu investieren, die sonst nur in Millionenhöhe möglich waren. Bei der Fundament Group reicht schon ein Euro, um ein digitales Investment zu beginnen.

Ein Blick in die Zukunft: Was können wir heute schon umsetzen?

Bei all den weitreichenden Ideen, stellt sich jedoch die Frage, was ab jetzt konkret in die Praxis umgsetzt werden kann. Darüber haben zum Abschluss Dr. Steffen Brunnenberg, Gründer von LawLift, Sabrina Keese-Haufs, Ioannis Martinis und Markus Hartung unter der Leitung von Christian Schebitz, CEO von rechtsanwalt.com, diskutiert. Alle waren sich einig, dass es sich in jedem Fall lohnt einfach anzufangen. Egal, ob mit einer Teilautomatisierung eines Arbeitsprozesses oder mit einem kleinen, neuen Geschäftsmodell am Rande des klassischen Kanzleitagesgeschäfts. Es komme vor allem darauf an, einen Anfang zu finden. Für die Zukunft wünschen sie sich noch intensivere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Anbiertern und umfassendere Lösuznngen, die leichter einzusetzen und nachhaltiger anzuwenden sind.

Oft zur Sprache kam in diesem Zusammenhang die Demokratisierung von Wissen im Rechtsbereich und die Macht der Verlage. Diese müsse auf Dauer eingeschränkt werden und Kollaborationen zum Nutzen der Verbraucher, Mandanten und Anwaltschaft geschlossen werden. Nur durch eine Verteilung von Know How kann auch ein Gleichgewicht auf dem Rechtsmarkt geschaffen werden.


Anschließend konnten alle Teilnehmer bei einem entspannten Get Togehter im Sonnenschein networken, Ideen austauschen und gemeinsam die Veranstaltung Revue passieren lassen.


Wer Lust bekommen hat bei einem Innovations-Event dieser Klasse in der Schweiz dabei zu sein und über Legal Tech hinauszuschauen, der kann auch spontan noch beim Davos Digital Forum vom 19. bis 20. September vorbei schauen.

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