• Jolanda Rose

Recode.law - Legal Innovation kommt nach Münster


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Neben Unternehmen, Kanzleien und spannenden Events möchte ich in der nächsten Zeit auch alle studentischen Initiativen im Bereich Law & Tech vorstellen. Seit Anfang 2019 hat Münster ein Zentrum für juristische Innovation. Recodelaw e.V. ist eine hauptsächlich studentische Initiative, die sich mit der Zukunft des Rechts, insbesondere Legal Tech beschäftigt. Ich hatte die Möglichkeit die Gründer der Initiative zu treffen und ihnen zehn Fragen zur Vereinsgründung und zur Digitalisierung im Jurastudium zu stellen.


10 Fragen an Recode.law


Jolanda: Wie kamt ihr zum Thema Legal Tech?

Recode.law: Mit dem Thema Legal Tech kamen wir erstmals beim Jura Forum 2017 in Berührung, einem rechtswissenschaftlichen Symposium an der Uni Münster, welches einige unserer Gründer mit organisierten. Unter anderem sprach dort Michael Grupp von BRYTER über die Digitalisierung des Rechts und weckte unseren Enthusiasmus für das Thema. Auch im internationalen Ausblick und in der Startup-Szene gewann Legal Tech immer mehr an Bedeutung und erregte so auch unsere Aufmerksamkeit.


J.: Was hat euch zur Gründung des Vereins bewogen?

R.: Die Idee für eine neue Initiative in Münster, die sich mit Zukunftsthemen in der Rechtsbranche beschäftigt, entstand Anfang 2018 als sich einige Legal-Tech-Begeisterte zusammenfanden. Wir mussten aber schnell erkennen, dass es für das Thema noch keine Plattform oder ein taugliches Forum in Münster gab. Durch Euphorie für das Thema angetrieben, entschlossen wir uns als Gründer selbst tätig zu werden und nicht darauf zu warten, dass die Uni die Initiative ergreift. Im Spätsommer 2018 reifte dann das Vorhaben zur Gründung – bis zum offiziellen Start dauerte es aber noch etwas. Seit Anfang 2019 organisieren wir nun verschiedene Veranstaltungen in Münster.


J.: Welche Tipps habt ihr für andere, die auch eine Studenteninitiative gründen wollen?

R.: Zunächst ist es wichtig, dass man wirklich hinter der Sache steht und viel Mut mitbringt. Denn am wichtigsten ist die Motivation der Mitglieder. Man sollte außerdem ein Ziel haben - “Wen wollen wir erreichen?”, “Wo wollen wir in einem Jahr stehen?”, “Wer ist für was verantwortlich?”. Das sind Fragen, die man sich auch schon am Anfang stellen sollte. Darüber hinaus sollte man auch ausreichend Zeit für die bürokratische und organisatorische Vorbereitung einplanen, bevor man mit der eigentlichen Vereinsarbeit loslegen kann. Von der Ausarbeitung der Satzung, der Kontoeröffnung, der internen Vereinsorganisation und Festlegung der Ziele bis zur letztendlichen Aufnahme der inhaltlichen Vereinsarbeit dauert es in der Regel etwas.


J.: Warum sollten Jurastudenten sich mit der Digitalisierung befassen?

R.: Digitalisierung ist ein Thema, das vor keinem Lebensbereich Halt macht, auch nicht vor Jura. Um für die Welt von morgen gewappnet zu sein und den technologischen Fortschritt für sich nutzen zu können, ist es daher unvermeidlich, sich mit den Möglichkeiten und Veränderungen, die durch die Technisierung auf dem Rechtsmarkt entstehen, auseinanderzusetzen.


J.: Wie findet man als Student den leichtesten Einstieg in das Thema?

R.: Wir denken, dass der leichteste Einstieg zunächst einmal über den Austausch mit anderen Studenten und Experten führt. Daher wollen wir ein Netzwerk für alle jungen Menschen in Münster und NRW schaffen, die sich für die Zukunft des Rechts interessieren. Durch verschiedenartige Veranstaltungen und unseren Blog auf unserer Website soll entsprechendes Knowhow vermittelt werden.


J.: Welche Änderungen würdet ihr euch am juristischen Curriculum wünschen?

R.: Das ist eine Frage, die sich in Kürze hier nicht abschließend beantworten lässt. Kurz gesagt wünschen wir uns weniger Pflichtstoff und mehr Angebote in interdisziplinären Bereichen. Dazu gehört auch z.B. Legal Tech. Leider ist die Umsetzung solcher Änderungen im Rahmen des aktuellen Juristenausbildungsgesetzes nicht einfach. Ein erster Schritt wäre es, Grundlagenveranstaltungen und Seminare im Bereich Digitalisierung und Recht anzubieten. Eine Reform der Rahmenbedingungen ist aber wohl unausweichlich, wenn Juristen besser auf die Welt nach der Universität vorbereitet werden sollen. Wir tauschen uns zu diesem Thema auch mit anderen Initiativen aus ganz Deutschland aus und entwickeln gerade gemeinsam Änderungsvorschläge, die bald den Entscheidungsträgern in den Landesministerien vorgestellt werden sollen.


J.: In letzter Zeit mehren sich die Vorfälle von verschwundenen Examensklausuren. Was haltet ihr von einem E-Examen?

R.: Wir sprechen uns sehr für ein E-Examen aus. Nicht nur dem physischen Verlust von Examensklausuren würde dadurch ein Ende bereitet, sondern auch der Impression, dass Jura-Klausuren eigentlich ein Schnellschreibwettbewerb sind. Außerdem entscheidet das Schriftbild nachweislich mit über die Note - meist nicht im positiven Sinne. Und auch im Job schreibt niemand mehr handschriftlich seine Texte. Das E-Examen ist der nächste logische Schritt, der schon längst überfällig ist.


J.: Wie stellt ihr euch die juristische Arbeit der Zukunft vor?

R.: Viele Praktiker haben Angst vor Legal Tech, weil sie denken, dass sie irgendwann von Software und sog. Richter-Robotern ersetzt werden. Wir haben keine ganz so pessimistische Vorstellung der Zukunft, denn wir denken, dass wir die Zukunft mitgestalten können und die Technik so nutzen können, wie wir es gerne möchten. Das bedeutet, dass wir uns die Rosinen der juristischen Arbeit herauspicken und die langweilige repetitive Arbeit den Computern überlassen. Denn darin sind Computer sowieso besser. Das umfasst in der Regel die Auswertung von Dokumenten, die Recherche und lästige Teile von juristischer Dokumentenerstellung. Uns ist vor allem wichtig, dass am Ende eines Digitalisierungsprozesses der Mensch im Vordergrund steht und unser Leben einfacher wird. Wäre es nicht toll, wenn wir bei einer Arbeit, die sonst zehn Stunden gedauert hat, fünf Stunden sparen könnten und wir unsere Zeit anderweitig nutzen könnten?


J.: Welche Chancen bietet Legal Tech speziell für angehende Juristen?

R.: Das Thema Legal Tech ist sowohl wissenschaftlich als auch wirtschaftlich noch weitgehend unbeackert. Dazu kommt, dass viele ältere Juristen das Thema aussitzen und sich nicht damit beschäftigen wollen und es den jüngeren Generationen überlassen. Das ist eine große Chance für junge Juristen. Jeder, der kann, sollte sich daher mit diesem Thema auseinandersetzen und Digital Skills erlernen, denn am Ende ist Digitalkompetenz nicht nur ein USP bei der Jobsuche, sondern macht das ganze Leben leichter.


J.: Auf welche Projekte aus Münster können wir uns in nächster Zeit freuen?

R.: Ab dem Sommersemester starten wir mit unserem neuen Format, dem “Legal Innovation Talk”. Jeder Talk steht dabei unter einem Oberthema, zu dem mehrere Speaker aus ganz Deutschland Redebeiträge geben. Im Anschluss diskutieren wir gemeinsam darüber und lassen den Abend bei Snacks und Getränken ausklingen. Daneben organisieren wir ein Meetup in Münster und planen gemeinsame Veranstaltungen unterschiedlichen Formats mit unseren Sponsoring-Partnern wie Noerr und Baker & McKenzie. Außerdem wächst unser Blog regelmäßig um neue Fachartikel und bald startet auch hoffentlich unser Podcast.


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