• Jolanda Rose

“Im Bereich skalierbare Rechtsdienstleistung habt ihr beste Chancen für eine erfolgreiche Karriere."

Aktualisiert: Aug 22


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Welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger in der Legal-Tech-Branche gestellt? Was ebnet Studierenden den Weg in Richtung erfolgreicher Karriere als Legal Engineer? Braucht man Programmierkenntnisse und ein Prädikatsexamen? Die Antworten auf diese Fragen und viele Insider-Tipps hat mir Gernot Halbleib, selbstständiger Legal-Tech-Berater, in einem persönlichen Gespräch verraten.


Jolanda: Welche Qualifikationen bzw. Qualitäten braucht man, um in den Legal-Tech-Bereich einsteigen zu können?

Gernot: Das werde ich relativ oft gefragt. Was ich den Leuten eigentlich immer rate ist: macht Projekte, Projekte, Projekte. Alle Fähigkeit rund um die Themen IT und Legal Tech kann man theoretisch nicht wirklich lernen. Klar könnten entsprechende Seminare, Schulungen und Aufbaustudiengänge helfen. Bei der Legal Tech Summer School kann man z.B. Überblick und Einstieg in das Thema zu bekommen. So kann man austesten, ob einen der Bereich wirklich interessiert und fasziniert. Aber die Skills, die man braucht, um erfolgreich im Legal Tech zu arbeiten, sind praktisch. Deshalb sollte man Praktika und Referendarstationen versuchen so zu planen, dass man möglichst nicht juristisch arbeitet, sondern etwas anderes kennen lernt. Das können u.a. Business Development, Projektmanagement, IT-Produktmanagement und Softwareentwicklung sein. Mittlerweile gibt es viele Möglichkeiten in Legal-Tech-Unternehmen auch entsprechende Positionen zu kommen.


Jolanda: Studierende, die wie ich ein großes Interesse an Digitalisierungsthemen haben, setzen sich oft gezielt für mehr IT-Inhalte an der Universität ein. Findest du das dann nur bedingt wichtig oder trotzdem hilfreich, um Studierenden erstmal den Einstieg zu ermöglichen?

Gernot: Genau, das kann Interesse wecken. Es gibt dem Studenten die Möglichkeit bei Bewerbungen in dem Bereich zu zeigen, dass man schon mal etwas mit der Materie zu tun hatte. Mit einem abgeschlossenen Unikurs kann man sein Engagement für das Thema zeigen. Aber die praktische Erfahrung ist einfach viel wichtiger. Wenn man sich vielleicht nicht so sicher ist und Praktika bzw. Anwaltsstation schon anders verplant hat, dann gibt es immer auch die Möglichkeit in Legal-Tech-Unternehmen nebenbei zu arbeiten. Eine gute Erfahrung kann es auch sein, eigene Projekte zu starten.


Jolanda: Im Sinne einer Unternehmensgründung?

Gernot: Genau. Es gibt einige Beispiele von Studenten, die schon während des Studiums angefangen haben, Angebote im Legal Tech zu schaffen. Das ist nicht unbedingt die größte Erfolgsgarantie, das nebenbei zu machen. Aber man lernt unglaublich viel und wenn man nicht so viel Zeit und Geld da rein investiert, kann sich das auf jeden Fall lohnen. Gerade im gemeinnützigen Bereich kann man etwas suchen, wo man mit Legal Tech helfen kann. Wenn man ein kommerzielles Produkt anbietet, steht man hingegen im Wettbewerb mit Gründern, die das Unternehmen in Vollzeit und gut finanziert führen. Um Praxiserfahrung zu sammeln, kann man auch an Hackathons teilnehmen. Das sind auf jeden Fall gute Erfahrungen, um vor allem auch mit Nichtjuristen in Kontakt zu kommen, die in dem Bereich arbeiten. Also mit Entwicklern, mit Marketingexperten, mit Designern und mit BWLern. Es ist ganz entscheidend, dass man diese Erfahrung macht. Fast jedes Berufsbild im Bereich Legal Tech erfüllt eine Schnittstellenfunktion. In dieser Position muss man zwischen verschiedenen Experten z.B. aus dem Business Development, Marketing und IT Development vermitteln. Es ist wichtig zu lernen, wie das läuft, wenn man gemeinsam mit den Leuten aus anderen Disziplinen etwas erreichen will.


Jolanda: Also zu lernen, welche Sprache andere Experten sprechen.

Gernot: Ja genau. Das ist wirklich eine eigene Sprache teilweise. Das ist für viele Juristen in Kanzleien auch ein großes Problem. Sie können Anliegen und Wünsche nur juristisch ausdrücken und nicht so, dass das jemand im Marketing oder ein Softwareentwickler versteht. Das lernt man auch nicht an der Uni, weil in den Kursen im Zweifel auch nur Juristen sitzen. Das lernt man wirklich nur indem man interdisziplinär arbeitet. So lernt man in der investierten Zeit viel mehr und viel schneller, worauf es in Legal-Tech-Praxis wirklich ankommt.


Jolanda: Das ist ja schon mal eine ganz eindeutige Message.

Gernot: Bei Events und Kursen unter Juristen kratzt man oft nur an der Oberfläche. Es ist sicherlich keine Zeitverschwendung. Aber diese praktischen Erlebnisse und Erfahrungen sind am Ende das, was es einem ermöglicht im Legal Tech erfolgreich zu sein. Das ist auch etwas, worauf die Arbeitgeber achten werden, wenn sie gut beraten sind. Es ist entscheidend, dass Bewerber schon Erfolge gezeigt, etwas auf die Beine gestellt hat und nicht von Null anfängt. Die wenigsten Kanzleien sind so aufgestellt, dass sie einen kompletten Anfänger in den Disziplinen Projektmanagement, IT, Produktmanagement, etc. ausbilden könnten. Dafür gibt es einfach noch zu wenig Leute in den ganz Kanzleien.


Jolanda: Mir wird oft gesagt, Legal Tech sei nur ein Hype, der sich wieder geben würde. Da schwingt oft die Frage mit, ob es sich überhaupt lohnt sich mit dem Thema zu befassen? Denkst du, dass das nur eine Nische bleiben wird, in der technikaffine Juristen arbeiten werden? Oder ist es für die breite Masse der Studierenden interessant, sich in dem Bereich fortzubilden?

Gernot: Das wird auf jeden Fall ein sehr relevanter Bereich bleiben mit ganz tollen Karrieremöglichkeiten für Juristen. Die Vorstellung “ich mach jetzt mal ein bisschen Legal Tech nebenbei” - das ist glaube ich falsch gedacht. Es ist ein entweder oder. Entweder ich möchte Manufakturjurist werden und Spezialist, d.h. in einem Bereich arbeiten, wo es nicht auf Automatisierung und Skalierung ankommt. Diesen Bereich wird es auch weiterhin geben. Allerdings wird dieser Markt ziemlich eng werden und die Konkurrenz wird stark zunehmen. Oder ich entscheide mich für die Legal-Tech-Branche. Die Chancen für eine sehr erfolgreiche Karriere aus der Perspektive von Berufsanfängern liegen aus meiner Sicht ganz klar im Bereich skalierbare Rechtsdienstleistung. Je früher man sich damit beschäftigt und darin richtig gut wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass man in dem Bereich auch erfolgreich ist. Wer eine Strategie für seine Karriere legen will, sollte in die Richtung gehen, dann aber auch konsequent und eine ganz klare Ausrichtung einschlagen. Man muss viel investieren, um in dem Bereich richtig gut zu werden.


Jolanda: Denkst du, dass es für die Juristen, die das vorhaben, auch wichtig ist, programmieren zu können?

Gernot: Es ist ein Vorteil, wenn man schon mal programmiert hat. Da reicht es schon, einfache Webseiten erstellt zu haben oder einfache Programme geschrieben zu haben. Es kann auch hilfreich sein, bei vielen praktischen Anwendungen schon mit Exel gearbeitet zu haben. Es kommt vor allem darauf an das algorithmische Denken zu beherrschen. Wie man das erworben hat, das ist eigentlich zweitrangig. Manche bringen das auch mit ohne programmiert zu haben. Programmieren ist einfach eine sehr gute Übung, um in einer sehr formalen Syntax Probleme algorithmisch darzustellen und zu lösen. Das muss man auch im Legal-Tech-Bereich können. Wer noch nicht programmiert hat, sollte ich sich fragen, ob er algorithmisch denken kann oder nicht. Wer da Nachholbedarf hat, für den kann es eine gute Übung sein programmieren zu lernen. Am besten macht man dafür nicht nur einen Kurs, sondern versucht kleine Probleme praktisch zu lösen z.B. im Rahmen eines Hackathons. Wenn man das noch nie gemacht hat und vor der Entscheidung, wo investiere ich jetzt 100 Stunden rein, um mich für Legal Tech fit zu machen. Dann ist nur Programmieren glaube ich zu einseitig. Da lernt man in der Funktion als Projektmanager oder Produktmanager, wenn man dieselbe Zeit darin investiert, deutlich mehr für die Schnittstelle, an der man arbeiten muss. Deswegen würde ich das eher raten. Ich kenne auch sehr erfolgreiche Produktmanager, die in Start Ups arbeiten oder in Internetfirmen, die auch nicht programmieren können und das noch nie gemacht haben. Das gibt es auch und das ist auf jeden Fall kein Hinderungsgrund.


Jolanda: Ist es zu Ausbildungszwecken sinnvoll, in schon länger etablierte amerikanische oder englische Legal-Tech-Unternehmen zu schauen oder denkst du der Rechtsmarkt ist dort so anders, dass man daraus nicht viel mitnehmen kann?

Gernot: Der Rechtsmarkt tickt dort schon anders, aber die Art und Weise wie man in Legal-Tech-Unternehmen Probleme löst, gibt es da genauso. Das hat aber mit der englischen Szene wenig zu tun. Ich würde nicht raten zu ganz großen etablierten Legal-Tech-Unternehmen zu gehen. Die Lernkurve ist in Start Ups viel höher. Auch als Praktikant oder Berufseinsteiger kann man relevantere Themen bearbeiten und Aufgabengebiete ändern sich viel häufiger. So wird man regelmäßig herausgefordert. Diese Start Ups findet man auch in Deutschland genug.


Jolanda: Das stimmt. Also empfiehlst du eher zu Hause bleiben und hier die Erfahrungen sammeln?

Gernot: Es geht beides. Nur wenn ich ins Ausland gehe, würde ich dann auch versuchen da in ein Start Up zu gehen. Berufserfahrung zu haben im internationalen Umfeld ist natürlich nochmal ein Plus. Ich würde dazu prinzipiell raten. Allerdings nicht, weil der Legal-Tech-Markt da schon etabliert ist.


Jolanda: Sondern einfach weil man eine andere Perspektive bekommt, wenn man im Ausland arbeitet.

Gernot: Absolut. Damit kann man noch mehr lernen in der Zeit, die man investiert.


Jolanda: Ich habe noch ein paar Fragen zu dir persönlich. Was machst du beruflich? Du bist meines Wissens Legal Engineer. Wie sieht dein typischer Arbeitsalltag aus?

Gernot: Ich bin Legal-Tech-Berater. Ich arbeite als Freelancer und freier Berater sowohl in der Legal-Tech-Strategieberatung, vor allem in Kanzleien, als auch in Rechtsabteilungen. Das sind häufig Seminare oder die Begleitung von Partnerversammlungen. Ich werde eingeladen, um aufzuzeigen, was die Entwicklungen am Rechtsmarkt sind, was sich durch die Digitalisierung dort verändert und wie man als Kanzlei darauf strategisch reagieren kann.

Meine zweite Schiene ist das Legal-Tech-Projekt- und Produktmanagement. Im Zuge dessen begleite ich Kanzleien und Rechtsabteilungen über einen längeren Zeitraum bei konkreten Projekten, wenn es darum geht eine Legal-Tech-Idee umzusetzen. Ich unterstütze die Kanzlei mit dem Expertenwissen bei der Entwicklung von Produkten für die Mandanten. Das sind Engagements über einen längeren Zeitraum.


Jolanda: Das heißt du bist komplett selbstständig tätig.

Gernot: Ja genau.


Jolanda: Es gibt aber ja auch Angestellte Legal Engineers, die dann für eine Kanzlei arbeiten?

Gernot: Richtig. Das ist ein Berufsbild, das sich immer mehr etabliert. Manche Kanzleien haben mit dem Label Legal Engineer auch schon erfolgreich Stellen ausgeschrieben und genau diese Schnittstellen Profile gefunden, die sie gesucht haben. Aber es sind noch relativ wenige Kanzleien, die den Weg Legal Tech strategisch so eindeutig eingeschlagen haben, dass sie einen Vollzeit Legal Engineer beschäftigen. CMS ist da z.B. relativ weit vorne. Die Kanzlei hat einen großen Bereich Legal Engineering und Knowledge Management. Sie beschäftigen auch einige Leute, die in Vollzeit nur an dieser Schnittstelle arbeiten.


Jolanda: Gelten für die Arbeit in den Legal-Tech-Teams der großen Kanzleien dieselben Anforderungen, von denen du bezogen auf Start Ups gesprochen hast? Oder suchen diese eher komplett fertige Software-Entwickler?

Gernot: Teilweise suchen sie auch Software-Entwickler, aber das ist ein komplett anderes Profil als ein Legal Engineer. Ein guter Profientwickler ist gut darin guten Code zu schreiben und er muss nicht unbedingt die Fähigkeit haben mit einem Juristen über Anforderungen zu sprechen. Das macht der Legal Engineer auf der Schnittstelle.


Jolanda: Innerhalb von Großkanzleien gibt es jetzt schon einige sog. Legal Innovation Hubs. Denkst du, dass das sinnvoll ist? Ich habe schon die Kritik gehört, dass durch die Partnerstrukturen solche Vorhaben innerhalb des Kanzlei-Ökosystems gar nicht sinnvoll umgesetzt werden können. Es wurde argumentiert, dass die Innovativen Ideen von außen kommen müssten oder eine Kanzlei komplett anders strukturiert werden müsse, um innovativ arbeiten zu können.

Gernot: Wie sich das ganze mit den Partnerstrukturen verträgt - das ist ein ganz großer Knackpunkt. Die üblichen Partnerstrukturen und Karrierewege in Wirtschaftskanzleien sehen es eigentlich nicht vor, dass jemand hauptsächlich nicht Mandatsarbeit macht, sondern übergeordnet arbeitet. Die Aufgaben eines Legal Engineers sind jedoch immer übergeordnet. Leider werden solche Positionen in Kanzleien oft relativ stiefmütterlich behandelt. Wichtig wäre, dass das nicht so ist. Es müssen sich Kanzleistrukturen entwickeln, bei der Legal Engineers und Projektmanager nicht nach Billable Hours und Mandat arbeiten. Und dass sie nicht irgendwie als Servicekräfte zweiter Klasse behandelt werden, sondern diese Funktionen auch eine Wertschätzung erhalten, die der strategischen Bedeutung der Themen entspricht. Manche Kanzleien gehen da den Weg eigene Einheiten zu schaffen z.B. SKW Schwarz oder Clifford Chance, die haben das als eigene Tochtergesellschaft ausgegründet haben. Allen & Overy hat das schon vor langer Zeit mit der Firma AOsphere getan. Das sind Strukturen, in denen man den Legal Engineers ganz andere Karrierechancen bieten kann. Das könnte erfolgreicher sein, als zu versuchen diese Arbeit in eine klassische Kanzleihierarchie zu integrieren. Aber ganz bewährte Modelle gibt es da noch nicht. Juristen, die den Weg eines Legal Engineers einschlagen, sind aktuell oft noch frustriert, was die Karrieremöglichkeiten betrifft. Deshalb appelliere ich an Kanzleien, klare Karrieremöglichkeiten für diesen Weg anzubieten.


Jolanda: Wenn ich mit Studenten oder jungen Juristen über dieses Berufsbild und Legal Tech im Allgemeinen spreche, höre ich oft, dass das ja nur etwas für "Techies" wäre. Außerdem fällt mir auf, dass viele schon nach kurzer Zeit komplett im Kanzleiökosystem angekommen sind und ihre Arbeit nur noch wenig hinterfragen. Viele sehen keine Notwendigkeit sich mit Innovation im juristischen Bereich auseinandersetzen zu müssen.

Gernot: Das denken tatsächlich auch die meisten Anwälte. Wenn ich für Partnerversammlungen gebucht werde, schaffe ich es mittlerweile ganz gut, den Zahn zu ziehen. Aber, dass sich diese Vorurteile dann auch auf die Studenten auswirken, die nebenbei in Kanzleien arbeiten, ist schade, aber nachvollziehbar. Auch da gibt es eine Art natürliche Selektion. Diejenigen, die das Thema wirklich interessiert, glauben niemandem, der Ihnen sagt, das Thema sei nicht relevant. In jedem Rechtsgebiet gibt es Potential für digitale Produkte und Angebote. Es gibt noch so viele Lücken und Chancen, dass es fahrlässig wäre, als Jurist mit entsprechenden Fähigkeiten und entsprechender Affinität den Bereich völlig links liegen zu lassen. Natürlich kann das auch nicht jeder. Es gibt viele Juristen, die überhaupt keine IT-Affinität haben und nichts anderes machen wollen als als Experte zu arbeiten. So jemandem muss man nicht unbedingt raten sich mit Legal Tech zu beschäftigen. Wenn man allerdings Lust auf Digitalisierung, Automatisierung und Innovation hat, ist das ein Weg, auch dem man viele, viele Chancen bekommt.


Jolanda: Ich kenne das ja von mir selber, dass ich immer das Gefühl habe mich für zu viele Dinge zu interessieren. Um im Jurastudium gut zu sein, müsste ich eigentlich Scheuklappen aufsetzen.

Gernot: Das kann ich total nachvollziehen. Ich würde jedem raten in dieser langen Zeit der Juraausbildung keine Scheuklappen aufzusetzen, sondern möglichst viel rechts und links mitzunehmen. Ich habe das auch gemacht. Neben dem Studium habe ich viel in Projekten gearbeitet, politisch gearbeitet, mich sozial engagiert und selbstständig programmiert. Das sind alles Dinge, bei denen man richtig viel nebenbei lernt. Es sind diese Fähigkeiten, die dafür gesorgt haben, dass ich im Bereich Legal Tech erfolgreich geworden bin. Es ist gut diese Jurakomponente als Legal Engineer zu haben. Man braucht dafür aber nicht zwei Prädikatsexamen. Natürlich ist es gut, wenn man die hat. Es spricht auch nichts dagegen, sich ein Jahr nur aufs Examen zu konzentrieren. Vorher sollte man sich allerdings nicht verrückt machen lassen und keine Angst haben etwas im Studium zu verpassen.

Mittlerweile gibt es durch den Bachelor und Master zum Glück auch andere Möglichkeiten als Jurist erfolgreich zu werden. Auch der Abschluss als Wirtschaftsjurist ist im Bereich Legal Tech als Legal Engineer sehr hilfreich. Da braucht man ein zweites Staatsexamen nur ganz selten und oft nicht mal unbedingt das erste Staatsexamen. Denn für die Arbeit als Legal Engineer wird nicht diese juristische Tiefe verlangt. Das kann für jemanden, dem die Fokussierung und Tiefe im klassischen Jurastudium nicht liegt, ein guter Ausweg sein, um als Legal Engineer sehr erfolgreich zu sein.


Jolanda: Das ist ein guter Tipp für Leute, die sagen einfach gar nicht vorstellen können Jahre lang den klassischen Bib-Lifestyle zu leben.

Gernot: Um das alles unter einen Hut zu bekommen, könnte man statt am Lehrstuhl neben dem Studium in einem Job arbeiten, der gar nichts mit Jura zu tun hat. So kann man schnell und intensiv andere Dinge kennenlernen.


Jolanda: Diese Erfahrung habe ich in meinen Nebenjobs auch gemacht. Wenn man Innovation aktiv mitgestalten möchte, werden klassische Kanzleinebenjobs schnell langweilig, weil man als Student wenig verändern kann.

Gernot: Diese Erfahrung habe ich als Referendar auch gemacht. Da wäre die Antwort auf jeden Fall zwei Tage die Woche nicht in der Kanzlei zu arbeiten sondern im Legal-Tech-Unternehmen. Da sind wiederum etablierte Unternehmen oder Kanzleien wahrscheinlich am besten geeignet. Im Start Up ein, zwei Tage die Woche zu arbeiten, ist eher schwierig. Die brauchen Leute mit Haut und Haaren. Deshalb eignet sich die Arbeit dort eher für einen längeren Zeitraum, wie vorhin schon erwähnt eher im Rahmen eines Praktikums oder im Referendariat. In etablierten Strukturen lässt sich eher noch eine bestimmten Aufgabe finden, in die man als Student sehr sinnvoll eingebunden werden kann. Danach würde ich zuerst suchen, wenn ich neben dem Studium arbeiten möchte. Das wäre ein Tipp von mir, der auch praktisch gut umsetzbar ist.


Jolanda: Danke für die vielen Tipps und das spannende Gespräch.

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