• Jolanda Rose

"Fristen ausreizen - sowas könnt ihr vergessen, wenn ihr Legal Tech machen wollt."

Aktualisiert: Aug 22


Im Mai 2013 ging Geblitzt.de als einer der ersten deutschen Legal Tech Services an den Start. Wie ist Geblitzt.de entstanden? Was kann man von Gründer Jan Ginhold lernen? Bei einem Vortrag im Rahmen des Legal Tech Kolloquiums an der HU Berlin habe ich von dem Legal Tech-Unternehmer Antworten auf diese Fragen bekommen.


Vom Bußgeldbescheid zum Innovativen Legal Tech-Unternehmen


Entstanden ist das Unternehmen aus der Idee, mit einer Akquiseplattform eine günstige Dienstleistung zu schaffen, indem der langwierige Kanzleiprozess teilweise automatisiert wird. Angetrieben von dem Ziel 13 aus 14 Fällen zu gewinnen, wagte es Jan Ginhold nach viel Erfahrung im Verlagswesen und Software Business auch im Legal Tech-Bereich ein Unternehmen, die CONDUKA AG, zu gründen. Geblitzt.de ist ein Service des Prozessfinanzierers mit Sitz in Berlin. Potential hatte die Idee vor allem deshalb, weil viele Leute gar nicht wussten, dass man gegen die Bußgeldstelle vorgehen kann. Dank Geblitzt.de wurde seit 2013 ca. 100.000 ungerechtfertigt verwarnten Betroffenen zu ihrem Recht verholfen. Näheres zum Geschäftsmodell könnt ihr auf der Unternehmenswebsite erfahren.


10 Tipps vom Gründer

#1 Kennt eure Zielgruppe. Bußgeldbescheide z.B. bekommt der durchschnittliche Verbraucher. Daher muss man darauf vorbereitet sein, dass viele Kunden noch Briefe verschicken und nicht alles digital eingeben wollen. Achtet außerdem auf eine einfache Sprache. Stellt euch also immer auf eure Zielgruppe und deren Bedürfnisse ein.


#2 Jede manuelle Eingabe birgt Fehler. Statistiken haben gezeigt, dass bis zu 20 Prozent der manuell eingegebenen Daten fehlerhaft sind. Daher solltet ihr dem Kunden die Möglichkeit bieten, die relevanten Dokumente komplett an euch zu senden. So könnt ihr alle für den Fall relevanten Informationen auslesen und vermeidet diese Fehlerquelle.


#3 Je weniger Daten man abfragt, desto besser. Denn mit jedem weiteren Datenfeld, das der Kunde ausfüllen muss, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass er am Ende abschließt. Je kundenfreundlicher ihr die Website aufbaut, umso besser ist es für den Kunden und für euer Business.


#4 Jeder Medienbruch kostet Kunden. Der Kunde möchte möglichst wenig tun, um die Dienstleistung zu bekommen. Macht es ihm so einfach wie möglich.


#5 Pflegt eure Datenbank. Durch Abgleichen von neuen Daten mit eurem Datenbestand kommt ihr auf alternative und kreativere Lösungen. Voraussetzung dafür ist jedoch eine Datenbank, die keine fehlerhaften Daten enthält.


#6 Ein System ist immer so gut, wie es alle Eventualitäten durchdenkt, die passieren können.Versucht innerhalb des Gründungsprozesses schon alle Möglichkeiten zu durchdenken. Wie könnte euer Tool bzw. eure Dienstleistung genutzt werden? Welche Funktionen werden benötigt? Versetzt euch in die Lage des Kunden und findet auf alle Fragen, die er haben könnte, im Voraus Antworten.


#7 Fristen ausreizen - sowas könnt ihr vergessen, wenn ihr Legal Tech machen wollt. Kunden erwarten schnelle Antworten. Braucht ihr zu lange, ist der Kunde beim Konkurrenten. Das klassisch juristische "auf Zeit spielen" wird also nicht funktionieren.


#8 Versetzt euch in die Gegenseite. Wer steht eurer Dienstleistung gegenüber und welches Ziel hat derjenige? Finde eine Lösung, die es der Gegenseite leicht macht in eurem Sinne zu handeln.


#9 Marketing ist die halbe Miete. Bildet eine Marke - vom griffigen Namen bis zum Social Media Auftritt. Seid sichtbar und bespielt alle Kanäle. Auch Medien und PR sind in dem Bereich Legal Tech nicht zu unterschätzen. Wenn ihr diejenigen seid, die gefragt werden, wenn etwas passiert, habt ihr es geschafft.


#10 Erklärt dem Kunden gut genug eure Dienstleistung. Sammelt häufige Fragen und beantwortet diese schon mit Websitetexten direkt. Ermöglicht dem Kunden aber auch, euch jederzeit zu erreichen. Chatbots, E-Mails und Telefonsupport sind dafür gut geeignet.

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