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  • Jolanda Rose

"Es gab vermutlich nie bessere Zeiten, um sich selbstständig zu machen."

Aktualisiert: 22. Nov 2019


Michael Zollner und Carl Renner leiten den deutschen Standort von LOD Lawyers on Demand. Für die Selbstständigkeit haben sie prestigeträchtige Anwaltsjobs in großen Sozietäten aufgegeben. Im Interview berichten sie über neue Arbeitsmodelle für Juristen, Vorteile der Selbstständigkeit und die Zukunft der Rechtsbranche.


Jolanda: Beschreibt für die Leser einfach in zwei Sätzen, was ihr beruflich macht. LOD: Wir leiten den deutschen Standort von LOD Lawyers on Demand, einem der weltweit größten Anbieter für Flexible Legal Resources und Pioniere im Bereich „New Law“. LOD hat an insgesamt 12 Standorten weltweit einen Pool von mehr als 800 selbstständigen Wirtschaftsrechtsanwälten, die Unternehmen und Kanzleien im Rahmen von Secondments, Projekteinsätzen und Managed Teams unterstützen. Zudem beraten wir Unternehmen im Bereich Legal Operations Management.

Jolanda: Wie seid ihr zum Thema "New Law" gekommen und was versteht ihr darunter? LOD: New Law meint vereinfacht gesagt die Erbringung von Rechtsdienstleistungen auf andere als die traditionelle Art und Weise, z.B. in Form von neuen Vergütungs- und Beratungsmodellen, technologiebasiert oder einfach nur in einem neuen Arbeitsumfeld. Wir selbst haben lange Jahre als Inhouse-Anwälte bzw. in einem klassischen Kanzleiumfeld gearbeitet. Auch damals haben wir uns schon verstärkt mit neuen Rechtsberatungsmodellen und Legal Tech beschäftigt. Vor einigen Jahren haben wir dann eine auf IT-Recht spezialisierte Boutique-Kanzlei gegründet und dort von Anfang an auf neue Beratungsformen wie Legal Interim Management, aber auch Managed Legal Services, gesetzt.

Jolanda: Was hat euch damals dazu bewegt, euch als Rechtsanwälte selbstständig zu machen, obwohl ihr in großen Sozietäten angestellt wart? LOD: Uns ging es so wie den meisten selbstständigen Anwälten, mit denen wir zusammenarbeiten: Wir haben irgendwann gespürt, dass dies eine Form der Arbeit ist, die wir einfach gerne einmal ausprobieren wollen. Als sich dann durch das Zusammenspiel verschiedener Gegebenheiten die Gelegenheit für die Selbstständigkeit ergeben hatte, dachten wir uns: Jetzt oder nie. Uns beiden hatte auch die Tätigkeit in der Kanzlei Spaß gemacht, aber der innere Drang, etwas Eigenes aufzubauen, herrschte vor. Jeder Anwalt muss am Besten in sich hineinhören und spüren, ob er oder sie eher der Typ für das Angestelltenverhältnis bzw. die Kanzlei- oder Inhouse-Karriere ist, oder für die Selbstständigkeit. Alle Wege haben Vor- und Nachteile und es gibt sicherlich auch verschiedene Lebensphasen, in denen unterschiedliche Arbeitsmodelle besser passen. So würden wir z.B. jungen Kolleginnen und Kolleginnen grundsätzlich raten, zu Beginn Ihrer Karriere wenn möglich erst einmal im Angestelltenverhältnis in einer Kanzlei oder Rechtsabteilung zu starten, da eine gute praktische Ausbildung sicherlich eine hilfreiche Voraussetzung für eine Tätigkeit als selbstständiger Anwalt ist. Auch kann man dann besser beurteilen, ob der Karriereweg in einer Kanzlei oder Rechtsabteilung nicht doch gut zu einem passt.

Jolanda: Was sind die größten, ungerechtfertigten Mythen bezüglich der Selbstständigkeit im Rechtsmarkt? LOD: Die Kultur der Selbstständigkeit ist in Deutschland traditionell weniger ausgeprägt als in anderen Ländern. Das Angestelltenverhältnis wird allgemein mit Sicherheit verbunden, während Selbstständigkeit vielfach v.a. mit Unsicherheit und Risiken assoziiert wird. Hinzu kommt, dass im Rechtsbereich Jahrzehntelang gepredigt wurde, dass es ohnehin zu viele Anwälte gibt und daher der Schritt in die Selbstständigkeit quasi chancenlos sei. Das trifft heute sicherlich nicht mehr zu, im Gegenteil. Gerade aufgrund der technischen Möglichkeiten gab es vermutlich nie bessere Zeiten, um sich selbstständig zu machen. Die fehlende Kultur der Selbstständigkeit spürt man aber trotzdem noch heute. Häufig hören wir von angestellten Anwälten, dass sie sich eigentlich gerne selbständig machen würden, aber sich einfach nicht trauen. Es ist sicherlich richtig, dass einem ein Angestelltenverhältnis auf den ersten Blick mehr Sicherheit in Form eines festen Gehalts bietet und dass der Schritt in die Selbstständigkeit gut geplant sein muss. Aber dann bietet einem dieser Karriereweg bei ​guter Vorbereitung in der heutigen Zeit deutlich bessere Möglichkeiten und Optionen, als viele meinen.

Jolanda: Was macht das Berufsbild des Freelance Lawyers aus? LOD: Wer als Freelance Lawyer bzw. Flexible Legal Resource tätig ist oder sein will, sollte sein Geschäftsmodell optimaler Weise auf diese Art von Tätigkeit ausgerichtet haben. Flexible Lawyering unterscheidet sich von der klassischen Anwaltsberatung insbesondere darin, dass es sich um Dauerberatung handelt, die eine gewisse zeitliche Kapazität erfordert und deren Schwerpunkt meist in der operativen Beratung von Unternehmen liegt. Hierfür bedarf es keiner teuren Innenstadt-Büros und keines Back-Offices, wie es z.B. Rechtsanwälte benötigen, die viel forensisch tätig sind. Die meisten Anwälte, mit denen wir zusammenarbeiten, haben eine sehr kleine Kostenstruktur, d.h. kein Sekretariat, kein großes Büro etc., sondern nur das, was sie an Mindest-Ausstattung einer Kanzlei benötigen. Dies ermöglicht es ihnen, sehr flexibel und zu für beide Seiten attraktiven Konditionen für die Mandanten tätig zu werden. Im Gegenzug schätzen die Kolleginnen und Kollegen, dass sie für namhafte Unternehmen tätig werden können und gleichzeitig viel Abwechslung haben, da sie immer wieder neue Projekte machen.

Jolanda: Welche Funktion hat LOD dabei? Wie funktioniert das Geschäftsmodell von LOD? LOD: Im Bereich Flexible Lawyering fungiert LOD in Deutschland rechtlich gesehen als Agentur. Unsere wichtigste Aufgabe ist dabei die Auswahl und Pflege des LOD-Lawyer-Pools. Die Qualität des Angebots für unsere Kunden hängt wesentlich von der Qualität des Pools an Anwältinnen und Anwälten ab, mit denen wir zusammenarbeiten. Wir schauen dann bei Anfragen von Rechtsabteilungen und Kanzleien, welche Anwältin bzw. welcher Anwalt aus unserem Pool für das jeweilige Assignment in Betracht kommt und stellen die passenden Kandidaten mit einem Profil vor. Im weiteren Verlauf organisieren wir die Kennenlern-Gespräche, kümmern uns um die Verträge und begleiten die Assignments auch darüber hinaus durch engen Kontakt mit den Mandanten und Anwälten.

Zudem wollen wir durch die Gründung einer Kanzlei die Voraussetzungen dafür schaffen, Managed Legal Services auch in Deutschland direkt gegenüber Mandanten anbieten zu können. Dies ist für Anfang kommenden Jahres geplant.

Jolanda: Wo seht ihr den Rechtsmarkt in 20 Jahren? LOD: Der Rechtsmarkt befindet sich ja schon seit einer gewissen Zeit in einem Umbruch. Viele neue, innovative Beratungsmodelle sind in den letzten drei, vier Jahren auf den Markt gekommen oder werden diskutiert. Diese Entwicklung, von der wir ja auch ein Teil sind, wird sich sicherlich fortsetzten. In 20 Jahren wird ein Großteil der Rechtsberatung vermutlich mit Hilfe von automatisierten Prozessen und KI erfolgen. Es wird prognostiziert, dass es deutlich mehr Berufsbilder im Rechtsmarkt gibt. Hierzu gehören z.B. die Berufsbilder des Legal Projekt Managers, des Legal Technology Operators oder des Legal Operations Managers. Flexible Lawyering wird sicherlich auch ein etabliertes Tätigkeitsfeld sein. Wie schnelle und in welche Richtung sich der Rechtsmarkt in Deutschland entwickelt, hängt natürlich auch mit der Frage zusammen, ob es der Gesetzgeber schafft, die passenden Rahmenbedingungen in Bezug auf das Berufsrecht zu schaffen, damit weitere Innovationen möglich sind. Innovative Beratungsmodelle führen auf der einen Seite dazu, dass die (Rechts-)Dienstleistungen insgesamt kunden- bzw. mandantenfreundlicher werden. Gleichzeitig ist es natürlich wichtig, dass die Rechtssuchenden auch zukünftig in dem erforderlichen Maße vor „unqualifizierten Rechtsdienstleistungen“ geschützt werden, wie es in § 1 Abs. 1 S.2 RDG heißt. Die Frage wird sein, wie dieser Konflikt zwischen anwaltlichem Beratungsmonopol und der erforderlichen Öffnung des Rechtsmarktes für neue Modelle gelöst werden wird. Je eher und besser dies gelinkt, desto schneller wird die Wandelung des Rechtsmarktes voranschreiten. ​

Jolanda: Was würdet ihr Studierenden und Absolventen raten, die sich heute auf den zukünftigen Rechtsmarkt vorbereiten wollen? LOD: Auch weiterhin sollte Grundlage eine solide theoretische und praktische rechtliche Ausbildung sein. Wir würden daher jungen Kolleginnen und Kollegen, die z.B. gerne als Anwalt arbeiten möchten, auch heute noch empfehlen, nach dem Referendariat erst einmal ein paar Jahre das klassische Handwerk in einer Kanzlei oder in einem Unternehmen zu erlernen. Daneben gilt vermutlich das gleiche wie in anderen Bereichen: Neugierig und offen sein für neue Arbeitsmodelle, Technologien und Entwicklungen und schauen, welche Stärken und Interessen man selber hat. Dann bietet der Rechtsmarkt in Zukunft sicherlich deutlich vielfältigere Chancen, als es jemals zuvor der Fall war.

Jolanda: Auf welche neuen Projekte von LOD Deutschland können wir uns außerdem in Zukunft freuen? LOD: Wir sind zum einen gerade dabei, die Gründung einer Kanzlei vorzubereiten, um auch in Deutschland zukünftig Managed Legal Services anbieten zu können. Dies ist für Anfang kommenden Jahres geplant. Zudem eröffnen wir im Januar einen zweiten Standort in Düsseldorf, worauf wir uns schon sehr freuen. Das kommende Jahr wird für LOD also wieder sehr spannend. Lust bekommen Freelance Lawyer zu werden? Schau einfach auf der Unternehmenswebseite vorbei und informiere dich über alle aktuellen Ausschreibungen bei LOD.

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